EBITDA
Definition:
EBITDA steht als Abkürzung für „earnings before interest, taxes, depreciation and amortization“, d. h. den Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände. Damit beschreibt EBITDA den operativen Gewinn eines Unternehmens und dient als wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahl.
Was ist EBITDA (nach IFRS)?
Bei EBITDA handelt es sich um eine Kennzahl, die in der typischen Gewinn- und Verlustrechnung gar nicht vorkommt. Entsprechend IFRS und US-GAAP sind die Abschreibungen und die Amortisation in der GuV bereits Bestandteil der Umsatzkosten, d. h. sie werden nicht separat ausgewiesen. Nichtsdestotrotz nutzen Unternehmen die Kennzahl inzwischen häufig, sodass sie auch Einzug in die Steuerregularien gefunden hat.
In Deutschland werden Umsatz und Gewinn nach dem HGB ermittelt. Das schränkt jedoch die internationale Vergleichbarkeit ein. Um diese zu ermöglichen, bedarf es des Herausrechnens der Abschreibungen aus dem hierzulande zugrunde liegenden EBIT.
Das EBITDA findet sich in Deutschland nicht im Handelsrecht, sondern seit 2008 lediglich im Steuerrecht. Hiernach beschränkt die als Zinsschranke bezeichnete Regel die Abzugsfähigkeit des Nettozinsaufwands auf einen Betrag auf maximal 30 % „des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA)“ (§4h EstG).
Warum ist EBITDA wichtig?
Als betriebswirtschaftliche Kennzahl dient das EBITDA vor allem dem Vergleich von Unternehmen nach internationalen Vorgaben. Auch intern ist diese Zahl von Bedeutung, um die eigene Wirtschaftlichkeit zu ermitteln. Dritte wiederum können die Kennzahl nutzen, um sich einen Überblick über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen zu verschaffen. Neben dem reinen EBITDA gibt es weitere Formen.
Adjusted EBITDA/ bereinigtes EBITDA
Der bereinigte EBITDA ist bereits um außerordentliche Erträge und Kosten korrigiert. Das hat den Vorteil, dass das operative Geschäft ohne Sondereinflüsse dargestellt wird und du verschiedene Jahre und Unternehmen besser miteinander vergleichen kannst. Allerdings liegt es stets im Ermessen eines Unternehmens selbst, Posten als außerordentlich zu benennen. Das können Aufwendungen für Abfindungen, Restrukturierungen oder Marketingaktionen sein – und damit ganz unterschiedliche Bereiche, die den Aussagegehalt dieser Zahl ebenfalls einschränken.
Da das bereinigte EBITDA unter Umständen durch zahlreiche Aufwendungen auch in Verlustsituationen positive Werte liefert, verschleiern immer wieder unprofitable Unternehmen tatsächliche Entwicklungen mit diesem Wert. Begünstigt wurde dies in der Vergangenheit durch die Option, Umsätze vor der Lieferung und Rechnungslegung zu buchen. Auch lässt sich der EBITDA über die Aktivierung von Eigenleistungen künstlich erhöhen.
Structuring EBITDA
Du kannst die Zahlen in Eigen- und Fremdkapital, d. h. nach der Kapitalstruktur unterteilen.
Recurring EBITDA
Bei dieser Variante bereinigst du das Ergebnis zusätzlich um die einmaligen Gewinne oder Verluste. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da diese kosmetischen Veränderungen die Ergebnisse beschönigen und verfälschen können.
Unterschied zwischen EBIT und EBITDA
Der Unterschied von EBIT und EBITDA wird schon deutlich, wenn du dir die Abkürzungen anschaust:
- EBIT heißt Earnings before Interest and Taxation = „Gewinn vor Zinsen und Steuern“
- EBITDA heißt „Earnings before interest, tax, depreciation and amortization“ = “Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände.”
Der Unterschied liegt also in den Buchstaben DA, die Abschreibungen umfassen. Entsprechend sieht das Verhältnis der beiden Kennzahlen wie folgt aus:
EBITDA = EBIT + Abschreibungen
Unterschiede zwischen EBIT und EBITDA
EBIT steht für „earnings before Interest and taxes“, d. h. bevor Zinsen und Ertragssteuern abgezogen werden. In der GuV kannst du den EBIT ermitteln, indem du zum Betriebsergebnis lediglich wieder die Zinsen addierst. Damit geht es ausschließlich um die Rentabilität des operativen Kerngeschäfts. Über die EBIT-Marge kannst du die Ertragskraft von Unternehmen unabhängig von ihrer Finanzierungsstruktur vergleichen.
Für den EBITDA rechnest du die Abschreibungen zum EBIT hinzu. Mithilfe dieser Kennzahl kannst du ermitteln, wie viel vom Ertrag noch für Tilgung und Zinsen zur Verfügung steht. Damit ist diese Kennzahl vor allem für Kreditanalysten von großer Bedeutung. Auch ist der Aussagegehalt bei einem branchen- oder länderübergreifenden Vergleich relevant.
Was ist höher?
Für gewöhnlich ist der EBITDA höher als der EBIT. Allerdings ist das branchen- und auch situationsabhängig. Verkaufst du z. B. Beteiligungen über Buchwert und übersteigt das Finanzergebnis die Abschreibungen, ist eventuell auch der EBIT höher.
Anwendung des EBITDA
Die Anwendung findest du in verschiedenen Unternehmensbereichen:
- als Steuerungskennzahl im betrieblichen Controlling
- Unternehmensbewertungen
- der Bewertung der Kreditwürdigkeit
- bei der Bemessung gewinnabhängiger Managergehälter
- in der Finanzkommunikation
Da der Aussagegehalt der Kennzahl jedoch begrenzt ist, zieht man oft noch weitere Kennzahlen hinzu.
EBITDA Berechnung
Die Grundlage der Berechnung bildet der Gewinn nach Steuern (Jahresüberschuss, EAT):
EAT (Jahresüberschuss)
+ Steueraufwand
– Steuererträge
= EBT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit)
+ Zinsaufwand und sonstiger Finanzaufwand
– Zinsertrag und sonstiger Finanzertrag
= EBIT (operatives Ergebnis)
+ Abschreibungen auf das Anlagevermögen
– Zuschreibungen zum Anlagevermögen
= EBITDA
+ außergewöhnliche Aufwendungen
– außergewöhnliche Erträge
= bereinigtes EBITDA
EBITDA Formel für das Gesamtkostenverfahren
Die Berechnung ist sowohl im Gesamt- als auch im Umsatzkostenverfahren nach §275 Abs. 2 bzw. Abs. 3 HGB möglich. Bei beiden Verfahren sind außergewöhnliche Bestandteile nicht enthalten.
Umsatzerlöse
+/- Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
+ andere aktivierte Eigenleistungen
+ sonstige betriebliche Erträge
– Materialaufwand
– Personalaufwand
– sonstige betriebliche Aufwendungen
= EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation)
EBITDA Formel für das Umsatzkostenverfahren
Das Umsatzkostenverfahren ist die zweite Methode der Berechnung. Hieraus geht auch nochmals das Verhältnis von EBIT und EBITDA hervor.
Umsatzerlöse
– Herstellungskosten
= Bruttoergebnis vom Umsatz
– Vertriebskosten
– allgemeine Verwaltungskosten
+ sonstige betriebliche Erträge
– sonstige betriebliche Aufwendungen
= EBIT (Earnings Before Interests and Taxes)
+ Abschreibungen auf das Anlagevermögen
– Zuschreibungen zum Anlagevermögen
= EBITDA
Kennzahlen
Der EBITDA lässt sich mit zahlreichen anderen Kennzahlen in einen Bezug setzen, sodass du Vergleiche zwischen verschiedenen Unternehmen vollziehen kannst.
EBITDA-Marge
Sie bildet das Verhältnis des EBITDA zum Umsatz ab. Sie trifft eine Aussage zur Profitabilität in einem bestimmten Zeitraum und wird in Prozent ausgedrückt. Je höher der Prozentsatz ist, desto profitabler ist das Unternehmen und desto geringer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Sinnhaftigkeit dieser Aussage hängt stark von der Art des Geschäftes ab und ist nicht unumstritten. Berechnen kannst du diese wie folgt:
EBITDA-Marge = (EBITDA / Umsatz) * 100
Damit die EBITDA-Marge hoch ausfällt, muss das EBITDA im Verhältnis zum Umsatz hoch liegen, d. h. die Kosten gering sein. Damit kannst du die EBITDA-Marge nutzen, um die Wirkung von Einsparungen bezüglich der betrieblichen Kosten zu überprüfen.
Alternativ kannst du EBITDA in das Verhältnis zur Bilanzsumme setzen. Dieses Verfahren eignet sich dann auch für nicht börsennotierte Unternehmen und du kannst eine Aussage über die Rendite des eingesetzten Eigen- und Fremdkapitals in Prozent treffen.
Verhältnis zum Enterprise Value
Der entschuldete Unternehmenswert kommt vor allem bei Übernahmen ins Spiel. Mithilfe dieser Zahl kannst du z. B. ermitteln, nach wie vielen Jahren das eingebrachte Kapital an den neuen Eigentümer zurückfließt:
EBITDA-Enterpreise Value = EV / EBITDA
Liegen bei einem Unternehmen keine außerordentlichen Schulden vor, eignet sich hier auch der Börsenwert (Marktkapitalisierung) als Referenzgröße. Dann sieht die Formel wie folgt aus:
EV = Marktkapitalisierung – liquide Mittel + verzinsliches Fremdkapital + Eigenkapital
Weitere Bezugsgrößen sind das Verhältnis zum Kreditumfang und zum sogenannten Kapitaldienst, der Tilgung und Zinsen umfasst.
TTM EBITDA
Diese Berechnungsmethode zieht nicht das Geschäftsjahr, sondern einen beliebigen Zeitraum von zwölf aufeinanderfolgenden Monaten für die Berechnung heran.
Nettoverschuldungsquote
Diese Quote bezeichnet die Verschuldung abzüglich der liquiden Mittel im Verhältnis zum Ertrag. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis ein Unternehmen Fremdkapital an externe Gläubiger zurückzahlen kann. Um diese Quote zu berechnen, teilst du die Nettoverschuldung durch das EBITDA:
Nettoverschuldungsquote = Nettoverschuldung / EBITDA
Unterschiede: EBITDA vs. Cash Flow
Ein Fehlerpotenzial besteht darin, den Cash-flow mit dem EBITDA gleichzusetzen. Das ist insofern falsch, als dass Zinsen, Steuern und Abschreibungen hier nicht berücksichtigt werden, wohl aber Teil des Cash-flows sind.
Das führt nicht selten dazu, dass Unternehmen, die vollständig über Eigenmittel finanziert sind und keine Zinsaufwendungen haben, mit überschuldeten Unternehmen gleichgesetzt werden, bei denen Zinsbelastungen durchaus einen existenzbedrohlichen Faktor bedeuten können.
Unternehmensbewertung auf EBITDA-Basis
Vor allem beim Verkauf von Unternehmen ist interessant, wie es um den Unternehmenswert bestellt ist. Um diesen zu ermitteln, kannst du die Multiplikatormethode nutzen.
Multiplikatormethode
Bei dieser Methode nutzt du Verkaufspreise ähnlicher Unternehmen als Vergleichsgröße und dividierst den Wert des Vergleichsunternehmens durch eine Kennzahl wie EBIT oder EBITDA. Mit dem daraus resultierenden Ergebnis kannst du die Kennzahlen des zu bewertenden Unternehmens ermitteln.
Unternehmenswert = Multiplikator des Vergleichsunternehmens * Kennzahl des Bewertungsobjektes
Cash-Flow-Analyse
Der Cash-flow trifft eine Aussage über die Herkunft und Verwendung von Mitteln. Damit gibt er einen Überblick über die laufenden Betriebstätigkeiten. Bei der Ermittlung des Cash-flows kannst du drei Arten unterscheiden:
- C-F aus laufender Geschäftstätigkeit/ operativer Tätigkeit
- Cash-Flow aus Investitionstätigkeit
- C-F aus Finanzierungstätigkeit
Die Summe von operativem Cash-flow und jenem aus Investitionstätigkeit ergibt den sogenannten Free Cash-flow. Der Discounted Cash-flow ist hingegen in den USA als Ertragswertverfahrensmethode verbreitet. Schließlich stellt der Cash Flow Return on Investment eine weitere Kennzahl zur Bewertung der operativen Geschäftstätigkeiten dar.
EBITDA-Interpretation
Grundsätzlich kannst du mit der Kennzahl Unternehmen bewerten und miteinander vergleichen. Durch die ausbleibende Berücksichtigung von Abschreibungen und Steuern ist das Ergebnis auch aussagekräftig.
In der Praxis ist jedoch zu berücksichtigen, dass Unternehmen meist Investitionen zum Erhalt oder Ausbau der Geschäftstätigkeiten erbringen müssen. Diese sind im EBITDA nicht abgebildet, sodass ein positiver Wert und die Höhe der Marge nur wenig Aussagekraft hinsichtlich der langfristigen Stabilität eines Unternehmens aufweist. Mit der Intensität der Anlagen sinkt der Cashflow des Unternehmens.
Fazit
Die Kennzahl EBITDA ist eine hilfreiche Kennzahl beim Vergleich und auch der Bewertung verschiedener Unternehmen. Gleichzeitig bietet EBITDA eine hilfreiche Grundlage beim Controlling und zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit. Doch sollte stets bedacht werden, dass die Aussagekraft beschränkt ist. Es gibt sowohl die Möglichkeit, Zahlen zu beschönigen und so über Verlustsituationen hinwegzutäuschen als auch die Gefahr, anlageintensive Unternehmen nicht korrekt einzustufen. So sinnvoll der EBITDA als Kennzahl damit auch ist: Zu einer fundierten Bewertung gehören stets auch weitere Kennzahlen, um ein Unternehmen aus verschiedenen Perspektiven heraus zu beleuchten.